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Gemeinde der Christen ECCLESIA

 

aus: Gasper/Müller/Valentin: "Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen"
Verlag Herder Freiburg im Breisgau, 5. Auflage 1997, ISBN 3451-0427-1


Gemeinde der Christen "Ecclesia"

-> Evangelische Allianz; Heilung; Heilungswegungen; Mission; Ökumene; Pfingstbewegung; Taufe

Die Gemeinde der Christen "Ecclesia" ist eine der wenigen auf deutschem Boden entstandenen Sondergemeinschaften. Sie geht zurück auf den aus Württemberg stammenden Heilungsevangelisten Hermann Zaiss (1889-1958). Dieser stand in jungen Jahren einige Zeit als Missionskaufmann im Dienst der Basler Mission; später war er erfolgreicher Rasierklingenfabrikant in Solingen-Ohligs.

Im Jahr 1944 empfing er von Gott den "klaren Auftrag, das Evangelium Jesu Christi radikal ohne eine Bindung an irgendeinen Menschen, eine Kirche oder eine Gemeinschaft zu verkündigen". Mit seiner kraftvollen und populären Verkündigung, die biblisch orientiert war, zog er viele Menschen an. Als sich zunehmend Heilungen ereigneten (zuerst bei einzelnen, später auch Massenheilungen), strömten bald Tausende aus allen Teilen Deutschlands und auch aus dem Ausland zu seinen Veranstaltungen. Die Anhänger sammelten sich zunächst in losen Kreisen, aus denen sich dann eine eigene Gemeinschaft entwickelte.

Als Zaiss 1958 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, bestanden über 300 lokale Gemeinden, die bis heute auf etwa ein Drittel zurückgingen. Bis 1981 stand die Witwe Clara Zaiss neben der Ältestenschaft in der Leitung. Das geistige Erbe von Hermann Zaiss wird weiter lebendig gehalten, man druckt noch heute seine Ansprachen und Bibelarbeiten in der Monatsschrift "Fröhliche Nachrichten" ab. Doch seit die charismatische Führerpersönlichkeit fehlt und kein Nachfolger da ist, der die Heilungsgabe hat, mußten sich die Gemeinden umstellen, wobei schwer zu sagen ist, worin sie nun ihren Schwerpunkt haben. Da die Gemeinden jeweils selbständig sind, ist auch ihr Charakter unterschiedlich. Die Grundprägung ist erwecklich, zum Teil auch starker pfingstlerisch.

Die Leitung liegt in der Hand von Ältesten; ausgebildete Prediger gibt es in der Regel nicht. Man praktiziert die Glaubenstaufe (Erwachsenentaufe; auch als Wiedertaufe), doch gibt es keine feste Mitgliedschaft. Die Ökumene wird abgelehnt; die Gemeinden leben in der Regel für sich, zum Teil bestehen örtliche Kontakte im Rahmen der Evangelischen Allianz oder zu pfingstlerischen Gruppierungen.

Quellen: H. Zaiss, Wie werde ich ein Kind Gottes?, Marburg o.J.;
ders., Die Endzeit, Marburg o.J.,
ders., Gottes Imperativ: Sei gesund!, Marburg 1957;
ders., Der Tempel Gottes, Marburg 1959;
Zeitschrift: Fröhliche Nachrichten.

Literatur: Hutten 374-376; Reimer/Eggenberger 70-72.

Ingrid Reimer


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